ENZYME VERLÄNGERN DAS LEBEN

Enzyme sind Leben. Sie sind die Proteine, die bei allen chemischen Reaktionen in einem Organismus helfen, dass diese richtig ablaufen.

Text Carsten Vagn-Hansen

Wir haben mehr als 3.000 Arten von Enzymen in unserem Körper, die zu mehr als 4.000 verschiedenen biochemischen Reaktionen beitragen. Enzyme initiieren, beschleunigen, verlangsamen, ändern oder stoppen Reaktionen. Ein prominenter Enzymforscher, Dr. Edward Howell, hat Enzyme als „den Funken des Lebens“ beschrieben, wie ein Funke, der den Motorstart auslöst. Alle Reaktionen im Körper werden durch Enzyme kontrolliert oder initiiert. Was wir an Nahrungsmitteln und Nahrungsmittelergänzungen benötigen, kann ohne verdauungsfördernde Enzyme nicht verwertet werden. Diese sind von Nöten, damit der Körper die Nährstoffe für den Stoffwechsel nutzen kann. Mit anderen Worten: Enzyme sind wichtig für die Körperfunktionen, das Immunsystem, die Durchblutung, die Bildung von Hormonen, etc. Dr. Howell ist der Auffassung, dass die Lebenserwartung eines Menschen direkt von der Menge der verfügbaren Enzyme abhängig ist. Die Enzyme, welche in den Nahrungsmitteln enthalten sind, helfen dabei, der verringerten Enzymproduktion entgegenzuwirken, zu der es mit steigendem Alter kommt. Enzyme können daher zu einem längeren und besseren Leben beitragen. Vitamine und Mineralien unterstützen die Enzyme bei ihrer Arbeit.

Wo finden wir Enzyme?


Enzyme werden in erster Linie in den Verdauungsorganen und Hormon produzierenden Drüsen gebildet, aber auch in sämtlichen Körperzellen. Die Produktion wird durch unsere DNS gesteuert – unser genetisches Material, das durch Signale aus der Zellmembran der Zellwand weitergeleitet wird. Die Zellwand empfängt die ganze Zeit Signale von anderen Zellen sowie aus der Umwelt, aus dem Essen und von unserem Gehirn.

Verdauungsfördernde Enzyme sind auch in der Nahrung enthalten. Diese sind für ein gut funktionierendes Verdauungssystem notwendig. Es gibt vier Hauptgruppen von Verdauungsenzymen:

  1. Amylase verdaut Kohlenhydrate, Stärke und Zucker in Körnern, Früchten und stärkehaltigem Gemüse
  2. Protease zerlegt Proteine, die im Fleisch, in Nüssen und im Käse enthalten sind, in Aminosäuren
  3. Lipase zerlegt Fette und Öle, die sich in Milch- und Fleischprodukten befinden, in Fettsäuren
  4. Zellulose unterstützt die Verdauung von Ballaststoffen

Die Pflanzenenzyme wirken im Mund und Magen, dem Ort, wo die Verdauung beginnt. Sie sind auch im Dünndarm tätig, wo sie den Enzymen der Bauchspeicheldrüse beim fortgesetzten Verdauungsprozess helfen.

Das Säure-Basen-Gleichgewicht ist für die Funktion der Enzyme von äußerster Wichtigkeit. Es ist zum Beispiel wichtig, über genügend Magensäure zu verfügen, um das Protease-Enzym Pepsin, das die Proteine zerlegt, zu aktivieren. Falls nicht genügend Magensäure vorhanden ist, wird das Verdauungssystem geschwächt. Daher ist es wichtig, säurehemmende Medikamente möglichst zu vermeiden. Es herrscht im Dünndarm ein grundlegendes Milieu, das die Enzymfunktionen unterstützt, welche dort stattfinden.

Enzyme in Lebensmitteln


Im Obst und im Gemüse findet man pflanzliche Verdauungsenzyme. Wenn diese aber zu heiß erhitzt werden, werden nicht nur die Enzyme, sondern auch der Geschmack und die Vitamine zerstört. Im Allgemeinen erleiden Enzyme in Lebensmitteln Schaden, wenn Sie länger als 15 Minuten auf mehr als 48 Grad erhitzt werden. Wenn man abgekochte oder gekochte Nahrung zu sich nimmt, wird der Körper nicht in der Lage sein, diese Nahrung richtig zu verarbeiten. Folglich können unverdaute Teile der Nahrung ins Blut aufgenommen werden. Wir riskieren es zu erkranken. In diesem Fall muss das Immunsystem aktiviert werden.

Isst man dagegen „Rohkost“, wie beispielsweise rohes Obst und Gemüse, muss das Immunsystem nicht aktiviert werden. Der Grund dafür: “Rohkost” enthält Enzyme, die sicherstellen, dass die Nahrung richtig verdaut wird.

Chemikalien und Pestizide verringern die Qualität der Lebensmittel und reduzieren die Enzyme und ihre Funktionen. Das gleiche gilt für Zucker und raffinierte Lebensmittel. Sie sollten daher organische, nicht raffinierte Nahrung kaufen. Eine übermäßige Zufuhr von ungesättigten Omega-6-Fettsäuren im Vergleich zu Omega-3-Fettsäuren führt ebenfalls zu einer Schwächung der Verdauungsenzyme. Zu Gemüse, das besonders reich an Enzymen ist, gehören Bohnensprossen und andere Sprossen wie Brokkolisprossen. Es sind auch viele Enzyme in Ananas (Bromelain) und Papaya (Papain) enthalten. Die Enzyme in der Nahrung stellen auch die Absorption der Vitamine und der Mineralien bei einer gesunden Ernährung sicher. Wenn wir nicht genügend Enzyme aus unserer Ernährung aufnehmen, muss der Körper eine Menge Energie aufwenden, um Verdauungsenzyme zu produzieren. Folglich bleibt weniger Energie für alle anderen Aktivitäten übrig. Durch den Verzehr von mehr „Rohkost“ und die Vermeidung von “Junk Food” bekommt man mehr Energie, beugt Krankheiten vor und unterstützt die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Zu den Symptomen eines Mangels an Verdauungsenzymen gehören Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, Müdigkeit, Aufstoßen, Blähungen, Verstopfung und allgemeine schlechte Verdauung. Falls wir nicht genügend Enzyme durch unsere Ernährung aufnehmen, wird das Verdauungssystem mit anderen Stoffen „überschwemmt“ und unsere eigenen Enzyme reichen nicht aus. Die Nahrung wird nicht richtig verdaut und der Körper absorbiert Dinge, die er nicht aufnehmen sollte. Darüber hinaus wird das Immunsystem überlastet. Daraus können sich Allergien entwickeln und der Körper wird „vergiftet“. Das Risiko, an chronischen Krankheiten zu erkranken, steigt deutlich und man lebt ein kürzeres Leben.

Das Immunsystem


Die Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse dienen nicht nur dazu, um bei der Verdauung der Nahrung im Dünndarm mitzuwirken. Sie werden auch direkt an das Blut abgegeben, um sich der unverdauten Proteine anzunehmen, die aus dem Darm aufgenommen worden sind. Das Immunsystem kümmert sich um diese unverdauten Proteinen und bildet Immunkomplexe. Diese lösen allergische Reaktionen aus. Die Enzyme ziehen die Immunkomplexe an und teilen sie, sodass Sie durch die Nieren ausgeschieden werden können.

Die Enzyme können auch das Blut von Mikroorganismen und beschädigten Blutzellen durchspülen. Ein Enzymmangel schwächt die Normalfunktion des Immunsystems. Eine Behandlung mit Enzymen kann bei vielen Krankheiten äußerst effektiv sein. Eine Ernährungsweise mit zu wenigen Enzymen kann zu Problemen mit der Hypophyse führen, eine Drüse im Gehirn, die sämtliche anderen Drüsen im Körper steuert. Tierversuche haben gezeigt, dass abgekochte Nahrung zu einer schlechten Entwicklung, zahlreichen Krankheiten (Knochen und das Nervensystem), Krämpfen und einer kürzeren Lebensdauer führt. Die dritte Generation, die dieser Ernährungsweise folgte, verlor ihre Fähigkeit zur Reproduktion. – Enzyme sind Leben.

Der Doctor


Carsten Vagn-Hansen stammt aus Dänemark, ist seit 18 Jahren praktizierender Arzt und arbeitet als Dozent und Kursleiter für das zentrale Weiterbildungssystem seines Landes. Er war Präsident der Internationalen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den internationalen Naturmedizin-Ehrenpreis. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu Gesundheit und Wohlbefinden. Noch dazu ist er im Dänischen Rundfunk sowie im Fernsehen als Radio- und Fernsehdoktor aufgetreten.

Neben seiner Tätigkeit als Gesundheitsberater und Redner ist er als Autor für die EQ-Zeitschrift tätig.

Weitere Informationen auf seiner Webseite:

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